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Die Steirische Harmonika – ein selbstklingendes Unterbrechungs-Aerophon

Posted On Dezember 20, 2015 at 7:17 pm by / Kommentare deaktiviert für Die Steirische Harmonika – ein selbstklingendes Unterbrechungs-Aerophon

Man mag es kaum glauben, aber die Steirische Harmonika gehört doch tatsächlich zur Gruppe der selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen. Hätten Sie es gewusst? Aber wissen Sie auch was es damit auf sich hat bzw. was dieses seltsame Wort bedeutet?

Die Steirische Harmonika als diatonisches Handzuginstrument

Bei Wikipedia steht, dass die Steirische Harmonika ein diatonisches Handzuginstrument ist. Auch dies ist richtig. Doch was verbirgt sich dahinter? Eigentlich ist der Begriff diatonisch irreführend, denn besser wäre hier der Begriff „wechseltönig“. Denn auf Zug und Druck werden auf derselben Taste unterschiedliche Töne wiedergegeben.

Die Wechseltönigkeit muss nämlich zwangsläufig nicht unbedingt diatonisch sein. Diatonik bezeichnet vielmehr in der Musiktheorie eine einfache musikalische Gestaltung, die auf Enharmonik und Chromatik verzichtet. Genauer gesagt sind diatonische Tonleiter meist siebenstufige (heptatonische) Tonleiter. Der Oktavraum wird dabei in fünf Ganztonschritte und zwei Halbtonschritte aufgeteilt.

Darum ist die Steirische Harmonika ein selbstklingendes Unterbrechungs-Aerophon

Grundsätzlich entsteht ein Ton bei einem Unterbrechungs-Aerophone dadurch, dass vorbeiströmende Luft regelmäßig unterbrochen wird. Dadurch kommt es letztendlich zur Schallerzeugung.

Man unterscheidet hierbei zwischen Lippenton-Aerophonen und Zungen-Aerophonen. Zu den Lippenton-Aerophonen zählen z.B. alle Trompeteninstrumente. Bläst man über das Mundstück ins Instrument werden die Lippen durch den Luftstrom in Schwingung versetzt und dabei regelmäßig unterbrochen.

Bei den Zungen-Aerophonen werden z.B. Stimmzungen aus Metall, Rohrblätter oder Lamellen in Schwingung versetzt, die wiederum die vorbeiströmende Luft in regelmäßigen Abständen unterbricht. Die Zungen-Aerophone werden in drei Gruppen unterteilt:

  • Durchschlagende Zunge
    Hierzu gehören z.B. das Akkordeon, die Mundharmonika oder unsere Steirische Harmonika
    Wobei die Steirische Harmonika zu den selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen gehört.
  • Aufschlagende Zunge (aufschlagendem Rohrblatt)
    Beispielsweise das Saxophone oder die Klarinette
  • Doppelrohrblätter (Gegenschlagzungen)
    Die Oboe oder das Fagott besitzen diese Doppelrohrblätter

Die Steirische Harmonika besitzt Stimmzungen

Bei der Steirischen Harmonika wird der Ton durch eine Stimmzunge erzeugt. Auf eine Stimmplatte ist ein dünner und elastischer Metallstreifen aufgenietet. Durch den Balg wird beim Ziehen oder Drücken Luft ein Ventil an zwei Metallstreifen, denn jede Stimmzunge ist doppelt vorhanden, vorbeigeführt.

Je nachdem ob gedrückt wird, wird entweder die eine oder die andere Stimmzunge aktiviert. Dadurch wird sie in Schwingung versetzt und beginnt zu klingen. Je nachdem wie lang oder dick die Stimmzunge ist, klingt der Metallstreifen entweder höher oder tiefer.

Auch die gesamten Abmessungen spielen hierbei eine Rolle. Die einzelnen Stimmplatten sind auf dem Stimmstock montiert. Jede Reihe besitzt einen eigenen Stimmstock.

Die Qualität der Stimmplatten ist entscheidend

Beim Kauf einer Steirischen Harmonika erkennt man die Qualität des Instrumentes auch an den verbauten Stimmzungen. Derzeit gibt es vier verschiedene Bezeichnungen am Markt, wobei viele Hersteller eigene Bezeichnungen für die Qualität der Stimmplatten verwenden.

Diese Bezeichnungen sind am gebräuchlichsten:

  • Machina
  • Dural Export
  • Tipo a mano
  • A mano

Wobei Machina die niedrigste und A Mano die beste Qualität ist. Wie bereits erwähnt verwenden die Hersteller oft eigene Bezeichnungen für die Qualität ihrer Stimmzungen. Doch eines lässt sich Herstellerübergreifend sagen: Die handgenieteten Stimmzungen ist die beste Qualität.

Zu den größten Herstellern von Stimmplatten zählen Antonelli u. Salpa (VOCI ARMONICHE S.r.l.), Cagnoni s.p.a und Harmonikas s.r.o

Diese Güteklassen werden dabei unterschieden

Wie bereits erwähnt haben die einzelnen Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen für die Qualität ihrer Stimmzungen. Ausschlaggebend für die Güteklasse ist dabei auch die Aluminiumrahmenhärte. Sie gilt für alle Hersteller gleichermaßen.

Die Stimmzungen von Antonelli u. Salpa (VOCI ARMONICHE S.r.l.)

Antonelli u. Salpa stellt dabei 5 verschiedene Stimmzungen her:

Aluminiumhärte Güteklasse
A Mano   120-150    II
Tipo a Mano   120-150    III
Tipo a Mano Avional   120-150    IV
Super Dural   120-150    V
Tipo c   80    VII

Die Stimmzungen von Cagnoni s.p.a.

Cagnoni s.p.a. hat 7 verschiedene Stimmzungen in seinem Portfolio:

Aluminiumhärte Güteklasse
A Mano   120-150    II
Tipo a Mano   120-150    III
Tipo a Mano Dural extra   120-150    IV
Dural   120-150    V
Export   120-150    VI
New Commercial Line   80    VII
Economy Line   70    VIII

Die Stimmzungen von Harmonikas s.r.o.

Aluminiumhärte Güteklasse
Klasse I, A Mano   160 I
Klasse II, Typo a Mano   120-150    II
Klasse III   120-150    III
Klasse IV   120-150    IV

Video von der Herstellung der Stimmzungen bei der Firma Harmonikas s.r.o.

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